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RHYTHMUS – UNSER JAHRESLAUF (FESTE)

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Das Jahr
Es kommt das Jahr mit festem Tritt und bringt uns etwas Gutes mit.
In jedem Monat, das bedenk´ hat´s für uns alle ein Geschenk.
Im ersten zarte Schneeflöckchen,
im zweiten weißen Schneeglöckchen.
Im dritten sprießenden Gräschen,
im vierten hüpfenden Häschen.
Im fünften fleißige Lieschen,
im sechsten roten Radieschen.
Im siebten blühende Rosen,
im achten gelbe Mimosen.
Im neunten bläulichen Beeren,
in den zehnten reifenden Ähren.
In den elften nussbraunen Kernen,
in den zwölften goldenen Sternen.

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Durch das Jahr

Das Erleben der Jahreszeiten und der dazu gehörigen Jahresfeste sind etwas ganz Wesentliches in der Waldorfpädagogik. Es gehört die äußere Gestaltung der Feste dazu aber noch wichtiger sind die inneren Prozesse, diese Laufen aber eher unsichtbar ab, aber die Arbeit im Kindergarten sehr tragen. Jedes Jahr aufs Neue erlebt man, wie es sich immer mehr vertieft und immer mehr an Bedeutung gewinnt.
Bei den Kindern hinterlässt das intensive Erleben des Jahreslaufs einen tiefen Eindruck. Es ist Nahrung für die Kinderseele!
Geschichten, Lieder, Verse und Fingerspiele und viele unterschiedliche Tätigkeiten lassen sich den Jahreszeiten zuordnen und geben dem Kindergartenjahr Rhythmus und Struktur.
Nicht nur für das Kind ist es wohltuend, tiefer in das Jahreszeitengeschehen einzutauchen, auch für den Erwachsenen bringt es heilsame Impulse. Wir können erleben: Wir sind hier auf dieser Erde zuhause!
Das erste Zeichen unserer Liebe ist immer die Zu-wendung. So ist das Leben mit dem Jahreslauf immer ein Nehmen und Geben.

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Unsere Waldtage ~ Im Erleben des Jahreslaufs in der Natur draußen
Ganz kann man den Verlauf und den Wechsel der Jahreszeiten nur draußen erleben. Draußen sein ist für Kinder so wohltuend, weil sie die Natur mit allen Sinnen erleben. Im Garten ist viel zu beobachten. Das Wachsen der Pflanzen, die Veränderung der Bäume und die vielen kleinen Tiere, die die Kinder immer entdecken.
Für die bewegungsfreudigen Kinder ist der Waldtag eine Wohltat. Selten erlebt man die Kinder so fröhlich und ausgeglichen wie im Wald. Der Wald verzaubert die Kinder und gibt ihnen alles, was sie brauchen“ pure Sinneserfahrung“.

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Unser Jahreszeitentisch ~ Die Gestaltung im Haus und Raum
Wir holen dieses Jahreszeitengeschehen zu uns in den Kindergarten herein durch die Lieder, Fingerspiele, Geschichten aber auch durch die Gestaltung des Raumes und des Jahreszeitentisch.
Der Jahreszeitentisch spiegelt die jeweilige Jahreszeit wider, durch die Farben der Stoffe und Tücher, durch den Blumenschmuck, die Kunstdrucke, besondere Kerzen und andere Gegenstände.
Auch bringen die Kinder kleine Dinge mit, die dann unseren Jahreszeitentisch bereichern dürfen.
Jede Jahreszeit hat eine eigene Gestaltung und der Raum verändert sich sehr. Am beeindruckendsten ist es immer zum Anfang der Adventszeit, wenn überall das Dunkelblau auftaucht, meist verbunden mit dem Duft frischer Tanne. Das löst starke Gefühle aus. Das Dunkelblau gibt eine starke Hülle für Kinder aber auch für die Erwachsenen.
Im Januar ist es so wunderbar, wenn alles wieder hell wird. So etwas wie Kristallklarheit liegt dann in der Luft. Es ist immer wieder beeindruckend, wie stark die Farbgebung im Raum auf uns alle seine Wirkung hat.
Dieses intensive Erleben der Jahreszeiten ist hilfreich sich mit „Muttererde“ zu verbinden. Jedes Jahr können wir wieder erleben, dass die Erde uns trägt und der Jahreslauf ihr buntes Kleid ist.

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Unsere Feste ~ Verbunden mit dem Jahreslauf und seinem Naturgeschehen
Ein Fest gibt Nahrung für Leib, Seele und Geist. Für Kinder muss ein Fest anders gestaltet sein als für uns Erwachsene. Es muss an etwas anknüpfen, was dem Kind vertraut ist und gleichzeitig ein Glanzlicht auf den Alltag setzen.
Ein Fest hat eine Vorbereitungszeit, einen Höhepunkt und einen Nachklang. Auf ein Fest muss man sich freuen können. Die Feste stehen zu Beginn einer neuen Jahreszeit oder zum Abschluss und greifen auf, was in der Natur lebt. Die christlichen Jahresfeste stellen noch ein geistiges Prinzip dazu. So feiern wir Ostern- die Auferstehung- als Erneuerung des Lebens. Die Natur erwacht wieder. Weihnachten feiern wir, wenn die Nacht am längsten währt. Wir wenden uns dieser Dunkelheit dem inneren Licht zu.
Das ist etwas Besonderes im Waldorfkindergarten- die tiefe Verbindung der christlichen Jahresfeste mit dem Naturgeschehen. Dazu hat uns Rudolf Steiner viele Anregungen gegeben.
Gerade im Waldorfkindergarten haben die Feste im Jahreslauf eine besondere Bedeutung. Das Eingebundensein in den Rhythmus der Feste soll den Kindern Sicherheit und Geborgenheit vermitteln.
Der Kontakt zwischen den Eltern und den Kindern im Kindergarten wird vertieft. Das gemeinsame Feiern vermittelt ein Gemeinschaftsgefühl und die Stimmung, dass Eltern und Kinder gut aufgehoben sind.

Michaeli ~ Zu Beginn der Herbstzeit feiern wir im Kindergarten das Michaeli-Fest. Es ist nach dem Erzengel Michael benannt, dessen Gedenktag der 29. September ist.
Mit der Gestaltung des Michaeli-Festes im Kindergarten möchten wir die inneren Mut Kräfte pflegen und fördern.
Michaeli feiern bedeutet auch, die Ernte einzufahren. Die Lichtkräfte des Sommers müssen zu inneren Kräften verwandelt werden, die uns helfen die Dunkelheit des Winters zu überstehen. Dazu brauchen wir Mut und Wachheit. Für uns Erwachsene bedeutet das, Bewusstseinskräfte zu entwickeln. Als Symbol steht auf dieser Schwelle- wir haben jetzt Tag- und Nachtgleiche der Kampf mit dem Drachen.
Dieser Drachenkampf taucht bei uns im Kindergarten in Spielen, Liedern, im Reigen, Puppenspielen, Geschichten usw. auf. Auch gibt es kleine „Mutproben“ für Groß und Klein.

Ernte-Dank Fest ~ Jedes Jahr feiern wir im Herbst ein Erntefest mit den Kindern. Wir möchten damit unsere Dankbarkeit und Achtung vor der Natur und ihren Gaben zum Ausdruck bringen. Dabei ist das Ernteerlebnis für die Kinder wichtig. Wir freuen uns, wenn die Kinder in der Erntezeit selbstgeerntete Garten- oder Waldfrüchte in den Kindergarten bringen. Im täglichen Gruppenleben begleiten wir diese Zeit mit Reigen, Liedern und Geschichten, in denen gesät gepflegt und geerntet wird.
Das Erntefest ist der Höhepunkt dieser Zeit.

Laternenzeit-Fest ~ Zur Herbstzeit, um den 11.November herum finden die zahlreichen Laternenumzüge statt. Wir alle kennen die Legende/ Geschichte vom heiligen St. Martin. Er gilt als Vorbild für Selbstlosigkeit und Güte. Diese Geschichte um einem Akt der Nächstenliebe genügt uns Christen, um zum Andenken an den Heiligen auch noch mit unseren Kindern den Brauch zu pflegen, am Namenstag Martins mit Laternen singend durch die Dunkelheit zu ziehen. Wir im Waldorfkindergarten sehen das Wesentliche dieses Festes im Bild der Laterne, die es uns ermöglicht die kleine empfindliche Flamme einer entzündeten Kerze bei Wind und Wetter durch die Finsternis zu tragen und so ein wenig Licht und Wärme in die dunkle Welt zu bringen.
Das Licht wird zum Mittelpunkt des Festes. Dies können wir bei unserem Laternenumzug erleben. Hier wird deutlich, was es bedeutet, wenn jeder sein Laternenlicht entzündet: Viele kleine leuchtende Häuschen, die das Licht beschützen und mithelfen, dass es nicht verlöscht, sind in der Lage, die Finsternis so weit zu erhellen, dass wir unseren Weg finden und gewiss sein können, das Licht ist nicht völlig verschwunden, es ist noch da und wartet darauf von uns wiedergefunden zu werden.
So legen wir Mut und Hoffnung als seelische Kräfte bei den Kindern an.

Adventsgärtlein ~ Zu Beginn der Adventszeit feiern wir im Kindergarten das Adventsgärtlein. Dieses Fest findet in der Regel am Freitag vor dem 1. Advent statt.
Im Mittelpunkt des Raumes steht eine Kerze, von der ein mildes Licht ausgeht. Von dort führt ein Weg aus Tannengrün spiralförmig in den Raum.
Ein Mensch geht einen Weg in der Dunkelheit, sein Ziel ist Licht. Er geht durch die Dunkelheit, um das Licht in der Mitte zu finden, um sein eigenes daran zu entzünden, welches er wiederum in die Welt zurücktragen will, um zu deren Erleuchtung beizutragen. So betrachtet steht das Adventsgärtlein für das menschliche Leben schlechthin. Und diese Botschaft wird von den Kindern ganz unmittelbar aufgenommen.

Weihnachtslicht ~ Die Adventszeit ist eine gemütliche und besinnliche Zeit. Der Gruppenraum ist in dunkles Blau geschmückt und erzeugt ein hüllendes Gefühl für die Kinder. Die Krippe ist aufgebaut und man findet dort nur die vier Elemente und Maria und Josef die sich auf den Weg machen. Jeden Tag / Woche wird die Krippe immer weiter ausgeschmückt.
In der allergrößten Dunkelheit feiern wir dann die Ankunft des Christkindes. Es kommt jedes Jahr zur Welt, um uns daran zu erinnern, dass wir uns mit den Lichtes- und Liebeskräften unseren eigenen Kindheitskräften, immer wieder neu verbinden können. Für die Kinder ist es ein großes und wichtiges Fest.

Nikolaus ~ nach dem Adventsgärtlein erwartet die Kinder am 06.12 wieder ein besonderes Ereignis. Der Nikolaus kommt!
In Anknüpfung an seiner Legende hat er traditionell einen Sack mit Nüssen, Äpfeln und Apfelsinen für uns dabei. Mit diesen Gaben bereichert er unser Frühstück.

Heilige drei Könige ~ Im Januar ist dann die größte Dunkelheit vorüber. Jetzt begehen wir die Drei-Königs-Zeit, eine wahrhaftig königliche Zeit. Es macht den Kindern viel Freude, auch König zu sein und dem Christuskind Gold, Weihrauch und Myrrhe zu bringen. Es ist nun eine andere Stimmung als vor Weihnachten. Die Kinder lieben das Würdevolle der Könige. Noch lange spielen sie die Geschichte von Maria und Joseph und dem Christkind.

Fasching ~ Im Februar steigen die Säfte der Pflanzen wieder- wir feiern in der Faschingszeit ein ausgelassenes „Faschingsfest“. Die Zwerge schaffen dann schon tüchtig unter der Erde, damit es oben auf der Erde wieder Frühling werden kann. Hier haben die wiedererwachenden Kräfte, Fröhlichkeit und Ausgelassenheit ihren Platz.

Maria Lichtmess ~ am 2. Februar geht Epiphanias, die drei Königszeit, zu Ende und somit endet die Weihnachtszeit. Wir erwarten alle ungeduldig das Ende des Winters.

Ostern ~ Ganz langsam fängt nun das Wachstum auf der Erde an, sichtbar zu werden. Es zeigen sich die ersten Blättchen am niedrigen Gebüsch. Alles ist zart und ganz frisch. In diese Zeit fällt das Osterfest.
Mit Beginn der Passionszeit am Aschermittwoch kehrt vielerorts, auch bei uns im Kindergarten, wieder eine ruhigere besinnlichere Stimmung ein. Der Jahreszeitentisch ist mit einem braunen Tuch bedeckt. Darauf liegt eine Wurzel, in der Wurzelkinder oder Wurzelzwerge wohnen. Oder es schmücken ihn ein paar leere/kahle Zweige und in der Mitte steht vielleicht eine Schale, die durch die fehlende Fülle ebenfalls Mangel zum Ausdruck bringt. So kann ein wenig von der Stimmung der Passionszeit auch bei uns im Kindergarten deutlich werden. Lieder und Sprüche wiederum greifen die Ereignisse in der Natur bildhaft auf. Jedoch drückt sich hier schon klar der Erwartung des nahenden Frühlings aus. Etwa zwei bis drei Wochen vor Ostern säen wir mit den Kindern das Ostergras. Schon bald ereignet sich auch hier ein kleines Wunder, denn es zeigen sich die ersten grünen Spitzen, die aus der Erde herausragen und täglich größer und dichter werden/ wachsen. Das unscheinbare, gar nicht lebendig scheinende Samenkorn ist zum Leben erwacht und wird so zum Sinnbild des österlichen Geschehens der Auferstehung.
Im Kindergarten ist der Jahreszeitentisch geschmückt mit einem Osterbaum, der mit Buchsbaum umwickelt ist „das ewige Leben“! Die Kinder finden auch hier österliche Symbole und farbenfrohe Frühlingsstimmung vor. Die leere Schale ist nun mit ausgeblasenen Eiern befüllt und werden in den nächsten Tagen gemeinsam mit den Kindern angemalt, um sie nach und nach an einem Zweig im Gruppenraum aufzuhängen. Mit dem Beginn der Osterzeit wird täglich ein Ei in den Osterstrauch gehangen insgesamt 40 Eier- 40 Tage dauert die Osterzeit. 40 Tage nach Ostern ist „Christi Himmelfahrt“.


Christi Himmelfahrt ~ Die bunten Eier werden abgenommen und es hängt nur das „Goldene Ei“. Gold ist die Farbe für das Himmlische.
Vierzig Tage lang ist der Auferstandene unter den Jüngern gewesen, dann wurde er vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf, vor ihren Augen. Die Bibel selbst lenkt unseren Blick auf ein Naturphänomen, auf die Wolken.

Pfingsten ~ 10 Tage nach Christi Himmelfahrt feiern wir das Pfingstfest. Dann kommt das „goldene Ei“ weg und dafür hängen die „weißen“ Pfingstvögelchen.
In dieser Zeit blüht und prangt alles, in großer Pracht. Es ist wonniglich draußen zu sein und die Bäume sind nun wieder Grün. Die Natur erwacht und atmet aus. Alles vibriert voller Lebendigkeit.

Johanni ~ Am 24.06 steht Johanni dem Weihnachtsfest (24.12) im Jahreslauf gegenüber: Einatmen- Ausatmen. Zu Johanni gehört ein leuchtendes Sonnengelb ein Rot und Orange für das Feuer darf auch dabei sein. Die Johannikerze ist eine Bienenwachskerze. Blumen sind wie beim Weihnachtsfest die Lilie und die Rose.


Königskinder ~ Abgeschlossen wird das Kindergartenjahr durch die Verabschiedung der „Königskinder“. Das ist wieder farbenprächtig und bunt. Jedes Kind bekommt eine Kerze, eine Goldene Krone und ein geheimnisvolles Geschenk.